Christina Petters

Autorin, Moderatorin und Seelsorgerin
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Maria in der Kupfergasse

Gepostet am 3. Juni 2016 um 13:00 Comments Kommentare (4)

Maria in der Kupfergasse

Angeregtes Murmeln von einem Hof gegenüber der Straße. Ich gehe dem nach. Eine Gruppe Menschen im Hof. Krücken und Rollstuhl, in jedem Fall gebeugt, strömen sie durch die Hofpforte. Teils stehen sie, anständig gekleidet, in Schlange, teils kauern sie am Boden, stehen in die Ecken gedrückt, mit Tüten in der Hand. Ein weißhaariger, mittelgroßer Mann kommt in Eingangspforte der Kirche. Er hat eine weißen Umschlag in der Hand. Die Stimmen werden heller. Erst recht, als er den Umschlag nicht gleich geöffnet bekommt. Die Nahestehenden machen Witze. Starke Akzente. Die meisten kommen irgendwoher aus dem weiteren Osten. Endlich ist der Umschlag offen. Er legt kleine Gegenständig in die geöffneten Hände, die sodann, beim Umdrehen in die Taschen der Besucher verschwinden. Manche halten den Kopf gesenkt. Es wird nur wenig gedrängelt. Jüngere Männer kommen mit forschem Schritt in den Hof, ziehen an den Anstehenden vorbei, stellen sich direkt vor dem Mann mit dem Umschlag. Er wendet sich leicht nach rechts, teilt weiter an die anderen aus. Alles in Ruhe und Gelassenheit. Um die jungen Männer hat sich eine Traube aus den Eckestehern gebildet. Auch sie kommen dran. Neugierig geworden, gehe ich zum Schluß auch hin. Der Mann drückt mir ein Fünzigcent-Stück in die Hand. Er erzählt mir, dass von Montag bis Freitag jeden Morgen an dieser Kirche dieses Prozedere durchgeführt wird. Eine Gabe an alle, die kommen, für Menschen ohne Einkommen. Für die seien 50 Cent viel Geld, sagt er. Jeder der kommt, bekomme kommentarlos seine Münze, ohne Ansehen der Person. Manche vertrinken es. Er macht die Geste des aus der Flasche Trinkens. Einer aus der Kauergruppe von vorhin kommt und hält die Hand auf. Er komme fast zu spät, meint der Weißhaarige. Ein Anzugträger fragt nach der Kirche. Hier findet die Marienverehrung ihren Platz, ganztägig geöffnet. Ich betrete die kleine Kapelle, das Kirchenschiff noch mit Gittern verschlossen. Kerzen können angezündet werden. Eine größer Sack steht bereit. Die Marienskulptur mit Jesuskind ist dunkel. Zwischen den mehr werdenden Gläubigen mischen sich die Geräusche zur Reinigung und Instandhaltung der Kirche. Die Armen sind längst weg. 


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